Was ich heute anders machen würde als zu Beginn meiner Erkrankung
- Daniela Schinko
- vor 4 Tagen
- 3 Min. Lesezeit

Wenn ich an die erste Zeit meiner Erkrankung zurückdenke, würde ich heute manches anders machen.
Nicht, weil ich damals alles falsch gemacht hätte.
Im Gegenteil: Ich habe versucht, meinen Alltag irgendwie weiterzuführen, Lösungen zu finden und herauszubekommen, was mit meinem Körper los ist.
Aber ich wusste vieles noch nicht.
Heute weiß ich: Manchmal kostet uns nicht nur die Erkrankung Energie. Auch der ständige Versuch, trotzdem genauso weiterzumachen wie früher, kann unglaublich viel Kraft kosten.
Ich würde früher auf meinen Körper hören
Am Anfang versucht man oft, Warnsignale zu übergehen.
Noch schnell diesen Termin.Noch schnell den Haushalt erledigen.Das geht schon noch.
Und manchmal geht es tatsächlich noch.
Die Rechnung kommt dann später.
Heute würde ich früher darauf achten, wann mein Körper signalisiert, dass es genug ist.
Nicht erst dann, wenn gar nichts mehr geht.
Eine Pause ist kein Zeichen von Schwäche. Sie kann ein Teil davon sein, gut mit den eigenen Kräften umzugehen.
Ich würde mich weniger mit anderen vergleichen
Gerade wenn man selbst nicht mehr so funktioniert wie früher, schaut man schnell auf andere.
Andere arbeiten.Andere treiben Sport.Andere gehen aus.Andere scheinen ihren Alltag problemlos zu bewältigen.
Heute weiß ich: Dieser Vergleich hilft mir nicht weiter.
Ich kenne nicht die Geschichte des anderen Menschen. Und ich kenne auch nicht alle Faktoren, die seinen Alltag beeinflussen.
Mein Maßstab darf deshalb mein eigener Weg sein.
Wie ging es mir vor einigen Monaten?
Was fällt mir heute vielleicht schon etwas leichter?
Das sind Fragen, die mir wesentlich mehr bringen als der Blick auf das, was andere schaffen.
Ich würde nicht mehr alles gleichzeitig verändern wollen
Wenn man sich nach einer Verbesserung sehnt, ist die Versuchung groß, alles auf einmal umzustellen.
Ernährung verändern.
Neue Nahrungsergänzungsmittel ausprobieren.
Mehr Bewegung.
Weniger Stress.
Besser schlafen.
Und am besten sofort.
Heute würde ich anders vorgehen.
Ich würde eine Veränderung nach der anderen ausprobieren und beobachten, wie mein Körper darauf reagiert.
Denn wenn sich gleichzeitig zehn Dinge verändern, lässt sich kaum erkennen, was tatsächlich einen Unterschied gemacht hat.
Ich würde gute Tage nicht mehr überbewerten
Ein guter Tag kann wunderbar sein.
Man fühlt sich besser und denkt vielleicht sofort:
„Endlich geht es wieder aufwärts!“
Und dann macht man an diesem Tag viel mehr, als der Körper eigentlich verkraftet.
Vielleicht, weil man Dinge nachholen möchte.
Vielleicht, weil man einfach froh ist, endlich wieder etwas zu können.
Heute weiß ich: Ein guter Tag ist kein Freifahrtschein.
Auch an guten Tagen darf ich meine Kräfte einteilen.
Denn das Ziel ist nicht, möglichst viel an einem einzigen guten Tag zu schaffen.
Das Ziel ist, möglichst viele Tage mit einer guten Balance zu erleben.
Ich würde früher akzeptieren, dass mein Weg anders aussieht
Das war vielleicht eine der schwierigsten Erkenntnisse.
Ich wollte lange Zeit wieder genauso funktionieren wie früher.
Heute sehe ich das anders.
Vielleicht muss mein Leben nicht genauso aussehen wie vor meiner Erkrankung, damit es wieder ein gutes Leben sein kann.
Vielleicht braucht es andere Strukturen.
Andere Prioritäten.
Mehr Pausen.
Andere Maßstäbe.
Das bedeutet nicht, dass ich aufgebe.
Es bedeutet, dass ich aufhöre, ständig gegen meine Realität anzukämpfen.
Ich würde geduldiger mit mir sein
Wenn etwas nicht funktioniert, suchen wir oft zuerst den Fehler bei uns selbst.
Warum schaffe ich das nicht?
Warum bin ich schon wieder so erschöpft?
Warum geht es heute schlechter als gestern?
Heute würde ich versuchen, mir diese Fragen mit mehr Verständnis zu stellen.
Mein Körper macht es mir nicht absichtlich schwer.
Und ein schlechter Tag bedeutet nicht, dass ich wieder am Anfang stehe.
Entwicklung verläuft selten geradlinig.
Es gibt gute Tage, schwierige Tage und manchmal auch Rückschritte.
Das gehört dazu.
Was ich heute mitnehme
Wenn ich heute noch einmal am Anfang stehen würde, würde ich mir wahrscheinlich vor allem eines sagen:
Du musst nicht alles sofort herausfinden.
Du musst nicht an einem Tag dein ganzes Leben verändern.
Du musst nicht funktionieren wie früher.
Und du musst dich nicht mit anderen vergleichen.
Beginne dort, wo du gerade stehst.
Beobachte deinen Körper.
Verändere kleine Dinge.
Schau, was dir guttut.
Und gib dir die Zeit, deinen eigenen Weg zu finden.
Denn vielleicht besteht der wichtigste Fortschritt nicht darin, wieder genau die Person zu werden, die du vor deiner Erkrankung warst.
Vielleicht besteht er darin, herauszufinden, wer du heute sein kannst – mit allem, was sich verändert hat.
Alles Liebe,
Deine Daniela
P.S.: Wenn du deinen eigenen Weg zu mehr Lebensqualität suchst und dabei Unterstützung möchtest, können wir gemeinsam schauen, wo du gerade stehst und welche Schritte zu deiner persönlichen Situation passen könnten – in deinem Tempo und mit einem ganzheitlichen Blick.






Kommentare